Servus heißt vergiss mich nicht

Servus heißt vergiss mich nicht

Servus heißt vergiss mich nicht

Angelika Schwarzhuber

Roman

 

Wie weit würden Sie reisen für das große Glück?
Daniela hat ihr Leben eigentlich fest im Griff. Doch seit es Alex auf sie abgesehen hat, gerät ihr Gefühlsleben ordentlich durcheinander. Und gerade jetzt muss sich Daniela auf ihre Arbeit konzentrieren. Sie soll der todkranken Ehefrau eines Unternehmers in Sacramento einen ganz besonderen letzten Wunsch erfüllen, der Daniela auf eine außergewöhnliche Reise schickt! Allerdings stellt Alex ihr vor der Abreise ein Ultimatum …

Die Autorin:

Die bayerische Autorin Angelika Schwarzhuber lebt mit ihrer Familie und einem äußerst willensstarken Kater, der in Eigenregie die Schlafzeiten der Autorin bestimmt, in einer kleinen Stadt an der Donau. Sie arbeitet auch als Drehbuchautorin für Kino und TV. Wenn sie nicht am Computer Texte dichtet, verzieht sie sich gerne mit Freunden in kleine Berghütten zum Schafkopfspielen.

Das Cover:

Schon anhand des Covers in Verbindung mit dem Buchtitel kann man erkennen, dass es sich um einen Roman mit Lokalkolorit handelt. Bei dem rot-weiß-karierten Stoffherz mit der blauen Brezen-Applikation assoziiert man bereits auf den ersten Blick den Schauplatz Bayern. Die blauen Blümchen und der weiße Hintergrund mit der leichten senkrechten Maserung verleihen dem Coverbild einen zusätzlichen romantischen Touch. Ein sehr schönes, passendes Cover für diesen Liebesroman.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

 

Der Roman besteht am Anfang aus zwei Geschichten, die sich zuerst einmal völlig unabhängig voneinander entwickeln.

Hauptfigur der einen Geschichte ist Daniela, eine alleinerziehende Mutter. Sie hat von ihrer Freundin Hanna die Agentur BeauCadeau übernommen, die für ihre Kunden ungewöhnliche Geschenke organisiert. Zu ihrer Familie gehören neben ihrem fünfjährigen Sohn Benny ihr Zwillingsbruder Adrian, der sich als Schauspieler beruflich neu erfinden will und einfach bei Daniela und Benny eingezogen ist, sowie ihre Mutter, die allerdings mit ihrem Lebensgefährten auf Ibiza lebt und nur ab und zu mal bei ihren Kindern auftaucht, was Daniela gar nicht so unrecht ist. Über eine Bekannte erhält Daniela von einem reichen amerikanischen Unternehmer einen ganz außergewöhnlichen Auftrag. Sie soll als Geschenk für dessen Ehefrau, die nicht mehr lange zu leben hat, ein Oktoberfest ganz nach dem Münchener Original auf die Beine stellen – und das mitten in Kalifornien. Natürlich verlangt dieser Auftrag Daniela einiges ab, und größere und kleinere Hindernisse sind vorprogrammiert. Gleichzeitig lernt sie auch noch den gutaussehenden Alex kennen, der ihr gehörig den Kopf verdreht und für sie ebenfalls etwas zu empfinden scheint. Doch für Daniela ist sofort klar: Alex ist kein Mann für eine dauerhafte Beziehung und erst recht kein „Ersatz-Papa“ für Benny. Aber Alex lässt nicht locker und stellt Daniela vor eine Entscheidung, die sie sich selbst schwerer macht, als sie eigentlich ist.

Die andere Geschichte ist Ende der Sechzigerjahre angesiedelt. Hauptfigur ist die achtzehnjährige Emilie, die eines Nachts heimlich ihr Elternhaus in München verlässt und sich per Schiff auf den Weg in die USA macht. Dort hofft sie, ihre große Liebe, einen Amerikaner, den sie in München auf dem Oktoberfest kennengelernt hat, wiederzufinden.

Irgendwann kann man beim Lesen den Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten zwar erahnen, aber in Bezug auf bestimmte Details war dieser für mich dann doch recht überraschend.

Meine Meinung:

Von Angelika Schwarzhuber kannte ich bereits den Roman „Liebesschmarrn und Erdbeerblues“. Dementsprechend bin ich an „Servus heißt vergiss mich nicht“ schon mit gewissen Erwartungen herangegangen, die sich mit ganz winzigen Ausnahmen auch erfüllt haben. Mit ein Grund, warum ich überhaupt auf die Bücher der Autorin gestoßen bin, ist der Bezug zum Schauplatz Bayern. Ich mag Land und Leute sehr und habe auch selbst ein wenig bayerische Wurzeln, sodass ich mich beim Lesen natürlich von Anfang an sehr wohlgefühlt habe. Allerdings ist der Lokalkolorit bei „Servus heißt vergiss mich nicht“ nicht ganz so ausgeprägt wie bei „Liebesschmarrn und Erdbeerblues“, was ich ein bisschen schade fand. Das hätte für meinen subjektiven Geschmack ruhig etwas mehr sein dürfen.

Der Schreibstil der Autorin ist nicht allzu kompliziert (im positiven Sinne!), die Erzählweise sehr verständlich und eindrücklich. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, und jede hat für sich ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter, sodass man sie sofort ins Herz schließt – dies war bei mir vor allem bei Benny, Adrian und Alex der Fall. Selbst die Charakterisierung der Randfiguren ist wohlüberlegt und sehr stimmig. Lediglich mit der Hauptfigur Daniela hatte ich ein wenig Schwierigkeiten. In meinen Augen verhält sie sich in Bezug auf Alex zu pessimistisch. Ihre geradezu festzementierte Meinung über ihn, dass er sich für eine feste Beziehung nicht eignet und sich wohl nie so richtig für ihren Sohn interessieren wird, basiert rein auf Vermutungen. Alex gibt ihr zu keinem Zeitpunkt Anlass zu einer solchen Denkweise. Zwar kann man es damit begründen, dass ein gebranntes Kind das Feuer scheut, aber für mich war das dann doch etwas zu viel und wirkte leicht konstruiert. Natürlich wurde dadurch die Spannung, ob es zum Happy End kommt oder nicht, bis zum Schluss aufrechterhalten. Irgendwann konnte ich mir dann doch denken, wie das Ganze ausgehen wird, und ich hätte Daniela von Zeit zu Zeit am liebsten einen Schubs in die richtige Richtung gegeben. Aber geht einem das als Leserin nicht bei vielen Liebesromanen so?

Die Erzählweise der Autorin zeichnet sich durch viel Herzlichkeit, Humor und Charme aus. Nichtsdestotrotz findet man auch nachdenklichere, leisere Töne, die der Geschichte einen gewissen Tiefgang verleihen. Dies gilt vor allem für die Passagen, die Emilie gewidmet sind. Selbst der Sprachstil ist hier ein anderer als in Danielas Geschichte. Wir haben es hier also nicht ausschließlich mit einem lockeren, leichten Liebesroman zu tun, bei dem immer eitel Sonnenschein herrscht. Auch das Ende hält manche Überraschung bereit, und man muss als Leser ein paarmal kräftig schlucken.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung, und ich warte schon mit Freude auf das nächste Buch von Angelika Schwarzhuber.

Susanne von „friederickes Bücherblog“

 

 

 

 

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