Leipziger Buchpreis Sachbuch: Barbara Stollberg-Rilinger

Leipziger Buchpreis Sachbuch: Barbara Stollberg-Rilinger

Kategorie Sachbuch/Essayistik
Barbara Stollberg-Rilinger
Maria Theresia 
C.H. Beck
Zur Begründung
Barbara Stollberg-Rilingers große Biographie über die Habsburgerin ist tatsächlich
bahnbrechend: Zum einen rückt sie eine der bedeutenden Gestalten in der europäischen
Geschichte endlich in das ihr gebührende Licht. Und dieses Licht ist postmodern, so wie
sie es selber formuliert. Sie sucht nicht die geheime Wurzel, den Generalschlüssel zur
Person, so wie es viele Autoren oft genug versuchen und sich dabei selber täuschen. Sie
beschreibt stattdessen dieses Leben als Inszenierung eines Spiels in vielen
verschiedenen, aber gleichzeitigen Rollen. Natürlich kommt auch die Liebende vor, die
Frau, die Mutter von 16 Kindern, Wut, Enttäuschung, Tränen. Aber Barbara Stollberg-
Rilinger stützt sich nie auf die morsche Krücke der Psychologisierung. Es gelingt der
Autorin, eine ganze Epoche durch diese Gestalt zu erschließen. Unzählige Quellen
werden bezwingend von ihr arrangiert und gedeutet, Barbara Stollberg-Rilingers Stil ist
glänzend, von dezenter Eleganz. Maria Theresia ist keine Angela Merkel des 18.
Jahrhunderts. Aber diese Biographie schärft dennoch unseren Blick auf Rituale und
Zeremonien heute und deren Logiken. Die symbolische Ordnung und die Welt der
Zeichen in unserer Gegenwart des 21. Jahrhunderts: Sie sieht man nach der Lektüre
präziser, unbestechlicher gleichsam in einem anderen Licht. Mit dem Begriff „Meisterwerk“
sollte man ja lieber sorgsam haushalten. Aber manchmal wäre es ein sachlicher Irrtum,
das M-Wort nicht auszusprechen. Also: Diese Biographie ist ein Meisterinnenwerk.
Die Autorin
Barbara Stollberg-Rilinger, 1955 geboren, lehrt als Professorin für Geschichte der Frühen
Neuzeit an der Universität Münster. Sie wurde für ihre Forschung mehrmals
ausgezeichnet, u. a. mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Sie veröffentlichte
Monographien und Studienbücher, zuletzt „Rituale“ (Campus Verlag, 2013) und „Des
Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches“
(C.H.Beck, 2013).
Meldung: Leipziger Buchmesse 23.03.2017

Add a Comment