Die Sonne über dem südlichen Wendekreis

Die Sonne über dem südlichen Wendekreis

Georg Adamah

 
Klappentext
 

Georg, Akademiker, Mitte vierzig, verlässt Hals über Kopf seine Frau, um sich in eine verhängnisvolle Affäre mit Susanna zu stürzen. Im Lauf dieser Beziehung manövriert er sich selbst immer tiefer in eine obsessive Abhängigkeit hinein. Als Susanna fünf Jahre später die Beziehung beendet, steht Georg am Rand eines Zusammenbruchs. Hin- und hergerissen von der Kränkung über Susannas Zurückweisung und seinen Gefühlen für sie, ist er ihr ausgeliefert und hat ihrem kalkulierten Vorgehen zunächst wenig entgegenzusetzen.

 

Das Cover

 

Das Cover zeigt Frauenbeine, die zurückhaltend auf ein erotisches Buch hindeuten, außerdem werden die Gesichtslosigkeit der Person und die dunklen Farben dem Klappentext sowie der problematischen Gefühlswelt der Geschichte gerecht.

 

Die Geschichte

 

Georg hat seine Frau verlassen, um mit seiner Affäre Susanna zusammenzuleben, die ihn wiederum nach fünf Jahren verlässt. In dieser Zeit hat er sich immer tiefer in eine gewisse Abhängigkeit von Susanna begeben, die ihn nun an den Rand des Zusammenbruchs bringt und einen Neustart ins Leben fast aussichtslos erscheinen lässt. Dabei versucht er, es mit verschiedenen Damen irgendwie hinzubekommen, was aber situationsbedingt schwierig ist.

 

Meine Meinung

 

Diese Bewertung zu schreiben fällt mir nicht leicht, weil mich das Buch an einigen Stellen zwiespältig zurückgelassen hat. Es ist in der „Ich-Form“ aus der Perspektive der männlichen absoluten Hauptfigur (Georg) geschrieben, was den Leser einerseits sehr nahe an ihn heranbringt und in ihn hineinschlüpfen lässt. Wenn man jedoch andererseits als Leser so dicht an eine Figur herangeführt wird, ist der Grat zwischen dem Verständnis der inneren Gefühlswelt eines verlassenen Menschen und dem scheinbaren Selbstmitleid sehr schmal.
Über weit mehr als hundert Seiten hinterfragt Georg sein Leben und seine Beziehungen, verlässt die Wohnung und betritt sie dann wieder, fahndet nach Fehlern, hofft und bangt, beleuchtet die Vergangenheit, versucht neue Wege der Versöhnung, macht Fortschritte und erleidet Rückschläge.
Da der Autor wie bereits erwähnt den Leser sehr stark in Georgs Gedankenwelt mitnimmt, finden natürlich nicht so viele Dialoge statt wie in einer Geschichte, die durch das Handeln ihrer Figuren vorangetrieben wird. Deshalb kam ich beim Lesen immer wieder an einen Punkt, wo mir persönlich Georgs zelebriertes Selbstmitleid eindeutig zu viel war. Ab der Mitte des Buches verlor sich dieses Gefühl dann phasenweise wieder etwas, weil er mit einer Frau einen gelegentlichen, fast normalen Umgang pflegte und sein Verhalten etwas ausgeglichener schien.
Meine Meinung zu den erotischen Szenen ist, dass ein Erotikbuch mal mehr oder mal weniger harte Beschreibungen aufweist, weil jeder Autor seine persönliche Herangehensweise pflegt. Dies kann und will ich nicht bewerten, denn das liegt immer in der individuellen Einschätzung des Lesers. Für meinen Geschmack hätte es aufgrund des Gesamtkonzepts und des Schwerpunkts in diesem Buch etwas subtiler beschrieben werden können. Und in diesem Zusammenhang noch eine Anmerkung: Da es sich bei Georg um einen Menschen handelt, der sich laut Klappentext am Rande des Zusammenbruchs bewegt, haben mich die gelegentlich auftretenden sexuellen Wünsche mitten in seine traurigen Gedankengänge hinein gestört, denn er hat diese ganz einfach mit zwei für mich provokanten, etwas schmutzigen Worten urplötzlich dahingedacht. Hier erschließt sich mir nicht, wie einem in einer schwermütigen Phase so plötzlich erotische Wünsche durch den Kopf rasen können. Dies kann aber auch daran liegen, dass das nicht unbedingt meiner weiblichen Denk- und Vorstellungsweise entspricht – auch wenn man weiß, dass dieses widersprüchliche Verhalten natürlich vom Autor gewollt ist, der seinen Protagonisten auf eine Reise der Grenzerfahrungen schickt.
Der Schreibstil ist leicht verständlich. Allerdings waren für mich manche Übergänge von den Gedanken in die Wirklichkeit oder auch von den Gedanken in die Vergangenheit zu fließend und dadurch nicht immer sofort wahrnehmbar. Es gibt viele Satzwiederholungen bzw. Aussagen, die irgendwann einmal in Georgs Leben eine Rolle spielten und im Verlauf der Geschichte immer mal wieder teilweise zwei- bis dreimal nacheinander als Verstärkung seiner Gedanken eingesetzt werden. Hier wäre meines Erachtens etwas weniger mehr gewesen.
Alles in allem hat das Buch es mir als Frau sehr schwer gemacht, sodass ich auf eine persönliche Leseempfehlung verzichten möchte. Wie bei jedem Projekt betone ich auch hier, dass sich der Autor viel Mühe gegeben hat, sein Werk zu erstellen. So wird auch dieses Buch ganz sicher seine Leser und Liebhaber finden, die das Thema schätzen und sich darin vielleicht auch wiederfinden.
 

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