Das Haus am Himmelsrand

Das Haus am Himmelsrand

Bettina Storks

Eine aufwühlende Familiengeschichte um eine badische Uhrendynastie, ein Geheimnis aus finsteren Zeiten und eine Liebe, die alles wiedergutmachen kann.

Lizzy Tanner führt mit ihrem Partner und der gemeinsamen kleinen Tochter ein unbeschwertes Leben im idyllischen Freiburg im Breisgau. Das ändert sich, als ihr sterbender Großvater eine letzte Bitte an sie richtet: „Sorge für Gerechtigkeit!“. Lizzy beschließt, sein Geheimnis zu ergründen. Ihre Recherchen führen sie zurück bis in das Freiburg der 1930-er Jahre und in die Zeit der Arisierung. Bei ihrer Reise in die Vergangenheit wächst Lizzy über sich hinaus. Aber schon bald muss sie sich entscheiden zwischen Wahrheit und Rücksichtnahme, zwischen dem guten Ruf ihrer Familie und dem, was sie für richtig hält.

 

Die Autorin:

 

Bettina Storks, geboren 1960 bei Stuttgart, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war viele Jahre als Redakteurin tätig, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Sie lebt und arbeitet am Bodensee. In ihren Romanen »Das geheime Lächeln« und »Léas Spuren« vereint sie ihre Leidenschaft für Familiengeheimnisse und ihre Liebe zu Frankreich.

 

Rezensionstitel: Das Schweigen und die Schuld

5 Sterne

 

Das Cover:

Eine junge Frau, die suchend blickt, dargestellt in harmonischen und zurückhaltenden Farben. Gemeinsam mit dem Titel und dem Klappentext ist es eine in sich stimmige und einladende Buchpräsentation.

 

Die Geschichte:

 

Kurz vor seinem Tod schickt der Großvater seine Enkelin Lizzy Tannert auf sein Anwesen im Elsass. Dort soll sie Dokumente holen und anschließend für Gerechtigkeit sorgen. Mit diesem Wunsch ändert sich ihr Leben völlig, das bisher eher unbeschwert mit Mann und Kind verlief.

Im Testament wird dann auch noch die Familie überrascht und ist erbost, als sie erfährt, dass das Gut Rosshimmel an vermeintlich unbekannte Personen geht. Ihre Recherche führt sie dann in die Zeit vor dem Krieg, in die Zeit der Arisierung und sie verlangt von ihr schwierige Entscheidungen zwischen der Suche nach der Wahrheit und der Sorge um die Familie.

 

Meine Meinung: (Achtung: Spoiler!)

Lizzy wird aus der Gemütlichkeit geholt und muss recherchieren, wenn sie dem Wunsch des Großvaters nachkommen möchte. Nach und nach trifft sie auf Menschen, die in der Vergangenheit eine große Rolle spielten, die sie aber nicht alle kennt. Sie trifft mit ihren Fragen immer wieder auf Widerstände, auch in der Familie wird gemauert und geschwiegen, oder nur tröpfchenweise die Wahrheit ans Licht gelassen. Wie tief ist die Familie in den damaligen Geschehnissen verstrickt gewesen, wie sehr hat sie Schuld auf sich geladen und was verschweigt sie bis heute?

Alle Figuren sind ausdrucksstark und haben enorme Strahlkraft in den ihnen zugewiesenen Charakteren. Besonders Lizzy, die ihre Geschichte aus der „Ich“ Perspektive erzählt, was natürlich dafür sorgt, dass ich als Leserin in sie hineinkriechen, ihre inneren Kämpfe um sich selbst, und um ihre Familie hautnah erfühlen durfte.

Über die ganz besondere Sprache von Bettina Storks habe in den Rezensionen der Bücher „Das geheime Lächeln“ und „Die Stimmen über dem Meer“ schon einiges gesagt, sodass ich mich nur wiederholen könnte. Aber es sei betont, dass es immer wieder ein Vergnügen ist, die intensiven Texte von Bettina Storks zu lesen. Eine perfekte und intensive Recherche der eingebundenen Zeitgeschichte ist ein Qualitätsmerkmal der Autorin, die Schauplätze sind so präzise beschrieben, dass man, ohne zu zögern, die bildliche Reise eintreten kann.

Mein Fazit: Ein Buch, das die innere Zerrissenheit mit dem Umgang der Geschichte der 30er Jahre, mit den furchtbaren Geschehnissen rund um jüdischen Freunde und Nachbarn und der Umgang mit der eigenen Familie, bis heute beleuchtet. Ein Buch, das mich sehr überzeugt hat und natürlich meine ausdrückliche Leseempfehlung bekommt.

 

Heidelinde von friederickes bücherblog

 

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