Das Geheimnis der Schneekirsche

Das Geheimnis der Schneekirsche

Berlin 1913. Kurz vor Weihnachten erreicht die junge Lehrerin Selma Wallenstein ein Telegramm ihres Vaters: Ihre Mutter ist schwer erkrankt. Hals über Kopf begibt sich Selma auf die Reise ins ferne Tsingtau, wo ihr Vater in der deutschen Kolonialverwaltung arbeitet. Dort angekommen, entdeckt Selma eine faszinierende neue Welt. Und sie begegnet völlig unverhofft ihrer großen Liebe Paul wieder, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. All die Gefühle, die Selma so lange verdrängt hat, kehren mit Macht zurück. Doch bevor die beiden sich einander wieder annähern können, trennt das Schicksal sie erneut. – Für immer?

Die Autorin

Lisa Marcks ist das Pseudonym der Autorin, Schlussredakteurin und Journalistin Kerstin Sgonina. Zu ihrem Roman „Das Geheimnis der Schneekirsche“ hat sie die Geschichte ihrer Urgroßeltern Louise und Paul inspiriert, die 1901 gemeinsam nach Tsingtau gingen, und ihrer Großeltern Grete und Ernst, die sich 1908 als Kinder dort kennen- und später lieben lernten. Wenn die Autorin nicht schreibt oder redigiert, widmet sie sich ihrem Garten oder ihrer Leidenschaft fürs Kochen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Berlin.

 

Das Cover

Das Cover mit dem Schneekirschenzweig und dem sich optisch leicht ablösenden Hintergrund wirkt sehr einladend. Das Bild des prächtig blühenden Schneekirschenbaumes, der wie im Titel angekündigt ein Geheimnis verbergen soll, in Verbindung mit dem Klappentext lässt eine spannende Liebesgeschichte erwarten.

 

Die Geschichte (Spoiler!)

Selma ist im frühen 20. Jahrhundert als Lehrerin tätig. Es ist für sie nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, was in dieser Zeit sehr ungewöhnlich ist. Zusammen mit ihrer Schwester, die eher eine Traumtänzerin ist, und ihrer etwas komplizierten Tante lebt sie in Berlin.

Als Selma ein Telegramm ihres Vaters erhält, in dem er sie bittet, nach China zu kommen, weil ihre Mutter sehr krank ist, macht sie sich mit ihrer Tante und ihrer Schwester auf den Weg. Schon die weite Reise in die ferne Welt hält einige Herausforderungen bereit.

In China angekommen erkrankt sie selbst, erlernt während ihrer Genesung die Grundzüge der traditionellen chinesischen Medizin und trifft erst mit Verspätung im Haus ihrer Eltern ein. Sie erschrickt über den schlimmen gesundheitlichen Zustand ihrer Mutter und ist enttäuscht vom strengen Verhalten des Vaters.

In der deutschen Kolonie in Tsingtau trifft sie Paul, ihre große Liebe von früher, wieder und spürt, dass diese Liebe immer noch glüht, aber zu diesem Zeitpunkt keine Erfüllung finden kann. In der Sorge um ihre Mutter beschäftigt sie sich mit Kräutern, gewinnt durch Destillieren Essenzen und macht diese haltbar, was ihr in der nachfolgenden kriegerischen Zeit nützt, um Menschen zu helfen.

 

Meine Meinung

Das Buch ist in einem sehr angenehmen Schreibstil in der „Ich-Form“ geschrieben und zog mich von Anbeginn in die Geschichte der Selma hinein, die ich sehr mochte und mutig fand. Die Figuren sind in ihren Charakteren wunderbar ausgearbeitet und spiegeln die Vielfalt der menschlichen Eigenheiten und verschiedenen Nationalitäten wider. Die Schauplätze sind so gut beschrieben, dass man als Leser in seiner Vorstellungskraft sehr gut mitreisen und das fremde China kennenlernen kann.

Faszinierend und sehr gelungen fand ich die Einbettung der Geschichte in den historischen Kontext der Kolonialzeit. Sehr angenehm und informativ war für mich auch die Tatsache, dass die Kapitelüberschriften mit wohl durchdachten Beschreibungen von Pflanzen und deren Wirkung versehen sind.

Allerdings stand die Liebesgeschichte, die ich aufgrund des Klappentextes erwartet hatte, bis auf ein paar Szenen zwischendurch nicht im Zentrum des Romans, sondern wurde eher am Rande gestreift und schließlich dann am Ende etwas näher betrachtet und abgehandelt. Jedoch tat dies der Geschichte an sich überhaupt keinen Abbruch, weil die Familiengeschichte, die menschlichen Probleme und die inneren und äußeren Konflikte der Figuren – auch im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen – phantastisch erzählt wurden. In meinen Augen ist dies lediglich ein Problem der Auswahl des Klappentextes, der etwas vom Thema entfernt ist und deshalb eine etwas andere Erwartungshaltung beim Leser auslöst. Ich würde die Geschichte eher als historische Familiensaga einordnen und möchte für dieses Buch auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen.